Something Ventured

Something Ventured

Der deutsche Risikokapital-Inkubator Rocket Internet zieht neue Firmen im Rekordtempo hoch, um sie dann wieder zu verkaufen. Zalando, Groupon, Westwing, Home24, Zencap und eDarling, um nur einige zu nennen. Er wurde im Jahr 2007 von den Brüdern Marc, Oliver und Alexander Samwer gegründet.

Sie geniessen allerdings den schlechten Ruf Ideen sehr direkt und dreist zu kopieren. Diesen Ruf haben Sie nicht nur in Berlin, sondern auch in der Wiege der Internet-Investoren, im kalifornischen Silicon Valley. Die ZDF-Doku Frontal21 lässt in „Die Grosse Samwer–Show“ Branchenkenner zu Wort kommen, die sogar behaupten, dass sich ganz Deutschland durch die Samwers einen schlechten Namen mache.

Obwohl Oliver Samwer sich in der Doku mit Worten wie Fleiss, Mut, Schuster bleib bei deinen Leisten, deutscher Mittelstand, und ehrbarer Kaufmann brüstet, bekommt man eher den Eindruck, dass die Samwers in der Tat einen eher parasitären Charakter aufweisen.

Im Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung schreibt Bettina Weiguny heute ebenfalls sehr kritisch über „Firmen vom Fliessband“ (derzeit noch nicht öffenltich online verfügbar).

Wer heute ein Unternehmen gründet, klaut sich die Idee im Silicon Valley und sucht sich einen Geldgeber. Am besten in Berlin.

Dass es in Berlin auch wirklich innovative Internet-Firmen gibt, die nicht nur alles klauen, kommt in dem Artikel allerdings etwas zu kurz und spiegelt möglicherweise die Verbitterung der traditionellen Medienhäuser gegenüber der Internet- und Startup-Szene.

Um vermeintlich aufrichtige Investoren und Urgestein der Venture Capital Branche geht es hingegen in der sehr interessanten Dokumentation Something Ventured, die derzeit auch auf Netflix verfügbar ist.

Für Hardware-lastige Firmen wie Apple war es offenbar richtig, anfangs die notwendigen Investoren zu finden. Im Allgemeinen bin ich allerdings eher der Meinung, dass man mit wahrhaftig innovativen Ideen und Konzepten auch ohne grosses Kapital starten kann und sich nicht von parasitären Investoren abhängig machen muss. Und wenn es doch notwendig sein sollte, dann am besten von fairen Investoren, die an echter Innovation interessiert sind und nicht nur an schnellem Wachstum und kurzfristigen Umsatzzahlen. Ein bisschen Nachhaltigkeit in unseren schnell-lebigen Internet-Zeit könnte vermutlich ab und zu nicht schaden.

Nichts desto trotz brauchen wir Unternehmer, die ein Risiko eingehen. Zu viel Bodenständigkeit kann neuen innovativen Ideen auch im Weg stehen.

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